Sondermaschinen und Anlagen
Automatisierte Verarbeitung von technischen Textilien

Aktuelles

07.03.2014

Eine der größten Nähmaschinen der Welt kommt aus Lorsch

Das „blaue Wunder“ füllt eine Werkshalle in Lorsch, besteht aus etwa 20.000 Teilen und wiegt 73 Tonnen. Die größte Näh- und Schweißanlage KL 820 ist praktisch fertiggestellt, die größte bisher von KSL gebaute Anlage. Der Sondermaschinenhersteller ist weltweiter Spezialist für innovative Nähtechnik.

Durch die blau lackierte Stahlkonstruktion bewegt sich eine schwarze Materialbahn. Die Anlage vernäht und verschweißt Bahnen von Geotextilien, das sind Folien, Gewebe und Vliese, die beispielsweise für Regenrückhaltebecken oder Hangbefestigungen verarbeitet werden.

Zwei Jahre zurück. In Lorsch sitzen ein kanadisches Unternehmen und ein Ingenieurteam von KSL zusammen. Die Herausforderung: 300 Meter lange und 6 Meter breite Geotextil-Bahnen sollen vollautomatisiert miteinander zu fußballfeldgroßen Flächen verbunden werden. In den folgenden Monaten arbeitet ein Lorscher Entwicklerteam eng mit dem Kunden zusammen. Das scheinbar Unmögliche wird zur Lösung, der Aufbau beginnt.

Die Anlage ist extrem kompakt gebaut und dennoch 50 Meter lang und 10 Meter breit. Insgesamt kann die Maschine eine zusammenhängende Textilfläche von 7.500  Quadratmetern herstellen. Das „Fußballfeld“ wird in zickzackförmiger Faltung wieder auf eine Rolle gewickelt, die etwa 5 Tonnen Gewicht hat. Damit die fertige Rolle nicht auseinanderrutscht, wird die Bahn mit einem Zug von 11.000 Nm aufgewickelt – wollte man ein solches Drehmoment auf die Straße bringen, bräuchte es mehrere Sportwagen.

Auch beim Nähen und Schweißen ist die Maschine ein Kraftpaket. Vier Schweißmaschinen mit einer Leistung von je 2.600 Watt und 4 Nähmaschinen verbinden die Geotextil-Bahnen. Mehrere Millimeter dicke Textilien und Folien fügen sich so zu einer zugfesten und auf Wunsch wasserdichten Plane zusammen. Die Qualitätskontrolle ist lückenlos: Ein integriertes Überwachungssystem sieht mit seinem Infrarot-Auge, ob die Qualität der Schweißnaht einwandfrei ist. Ergibt die Thermografie eine Abweichung, wird die Anlage automatisch angehalten. Jeder der starken Polyesterfäden, die das schwere Material mit bis zu 3 Millimeter dicken Nadeln verbinden, wird überwacht.

„Eine Anlage von diesen Dimensionen, die Materiallagen von bis zu 4 Millimetern vollautomatisch verbinden kann, ist weltweit einzigartig ,“ sagt Robert Keilmann, Geschäftsführer des Lorscher Sondermaschinenherstellers. Sie wird derzeit vom Kunden und von der CSA, dem kanadischen Pendant des deutschen TÜVs, abgenommen. Anschließend reist sie in 11 Überseecontainern nach Kanada, um dort mit 3 KSL-Mitarbeitern wieder aufgebaut zu werden.

KSL entwickelt Anlagen für die automatisierte Produktion technischer Textilen für viele Branchen: für die Automobilindustrie, Heimtextilien, die Filterindustrie, Fashion, Möbel. Zum Portfolie gehören auch Roboteranlagen für Kohle-und Glasfaseranwendungen in der Luft- und Raumfahrt. Die Exportquote der süddeutschen Sondermaschinenbauer liegt bei 80 Prozent. Seit 2013 ist KSL ein Unternehmen der ShangGong Gruppe, zu der weitere Global Player der Nähtechnologie wie Dürkopp Adler und Pfaff gehören.